Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrradclub ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2020 zum neunten Mal statt und umfasst 27 Fragen. Bei der aktuellen Befragung wurden außerdem 5 Zusatzfragen zur Fahrrad-Situation während der Covid-19-Pandemie in den Städten gestellt. Zwischen September und November 2020 konnten Radfahrerinnen und Radfahrer ihre Meinung zum Fahrradklima in ihrer Stadt abgeben. 2020 bewerteten 482 Menschen das Fahrradklima in Ingolstadt, deutschlandweit waren es rund 230.000.

Die Ergebnisse für Ingolstadt zeigen Aufholbedarf: 51 Prozent geben an, dass man als Radler*in im Verkehr nicht ernst genommen wird, 60 Prozent wünschen sich ein besseres Angebot an öffentlichen Fahrrädern und 65 Prozent sagen, dass Radfahrer*innen an Baustellen zum Absteigen und Schieben gezwungen werden.

Mit einer Gesamtbewertung der Fahrradsituation von 3,59 belegt Ingolstadt deutschlandweit Platz 5 von 41 in der Kategorie 100.000-200.000 Einwohner*innen. Vergleichbare Städte wie Göttingen (3,27), Erlangen (3,29) und Heidelberg (3,53) schneiden noch besser ab.

Bundes- und bayernweit bleibt das Fahrradklima weiterhin unbefriedigend und wird von den Befragten im Durchschnitt mit 3,9 bewertet. In Bayern sind 167 Städte und Gemeinden in die Wertung gekommen, deutlich mehr als im Jahr 2018 (86).

Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse für Ingolstadt.und was sie bedeuten.

Falschparker*innenkontrolle auf Radwegen in Ingolstadt Fehlanzeige

  • ADFC-Fahrradklima-Test zeigt Probleme beim Radverkehr in Ingolstadt auf

Zwei Drittel der Radfahrenden (68 Prozent) bemängeln die fehlenden Kontrollen von Falschparkern auf Radwegen in Ingolstadt. Dies zeigen die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) heute veröffentlicht hat. Ebenfalls 68 Prozent der Befragten sagen zudem, dass die Ampelschaltungen in Ingolstadt nicht gut auf den Radverkehr abgestimmt sind. 57 Prozent finden die Radwege zu schmal und 52 Prozent fühlen sich beim Radfahren in Ingolstadt nicht sicher!

  • Fahren im Mischverkehr sorgt für Unsicherheit

Des Weiteren fühlen sich 69 Prozent der Ingolstädter Radler*innen bedrängt und bedroht, wenn sie im Mischverkehr mit Autos und LKW fahren und 67 Prozent berichten von regelmäßigen Konflikten mit KFZ-Fahrer*innen. 55 Prozent sagen, dass es viele Hindernissen auf den Radwegen Ingolstadts gibt.

  • Radfahren macht überwiegend Spaß in Ingolstadt

Doch Ingolstadt kann bei den Radfahrenden auch punkten: 65 Prozent der Befragten macht das Radfahren in Ingolstadt Spaß und 73 Prozent sagen, dass in Ingolstadt Alt und Jung Radfahren. 53 Prozent geben an, dass in jüngster Zeit viel für den Radverkehr getan wurde und 58 Prozent meinen, dass es selten Konflikte mit Fußgänger*innen gibt. 85 Prozent bewerten die Erreichbarkeit des Stadtzentrums als positiv und für 73 Prozent der Radler*innen ist zügiges Radfahren möglich.

  • Bedeutung des Radverkehrs während Corona gestiegen

58 Prozent der Befragten geben an, dass es in der Corona-Zeit in Ingolstadt keine handfesten Signale für mehr Fahrradfreundlichkeit gegeben hat. Auch die kommunale Politik hat während der Corona-Zeit das Radfahren als Chance nicht mehr als üblich thematisiert, sagen 56 Prozent. Gleichzeitig hat die Bedeutung des Fahrrades nach Meinung von 66 Prozent der Befragten während der Pandemie zugenommen. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) hat während der Pandemie neue Ziele in Ingolstadt und Umgebung mit dem Fahrrad entdeckt.

  • Resignation der Fahrradfahrer*innen in Ingolstadt macht sich breit

Im Jahr 2020 haben in Ingolstadt nur 482 Menschen am Fahrrad-Klimatest teilgenommen. 2018 waren es immerhin noch 724 Teilnehmer. Wie der ADFC Ingolstadt festgestellt hat, macht sich eine Resignation unter den Radfahrenden breit. Die Meinung, dass sich die Situation für Radler*innen in unserer Autostadt sowieso nicht ändern wird, ist weit verbreitet.

Die Stadt hat während der Coronazeit Pop-up-Wege errichtet die aber die Coronazeit nicht einmal überlebt haben. Zudem stellt sich die Frage, ob z.B. an der Schloßlände dies wirklich notwendig war. Es gibt sicher viele Wege in der Stadt an denen solche Maßnahmen nicht nur vorübergehend sinnvoll wären.

  • Anzahl der Fahrradabstellanlagen ist viel zu niedrig

Leben und Kaufkraft können auch durch Förderung des Radverkehrs erreicht werden, wenn die Zubringerwege in die Innenstadt und ein sicheres Abstellen der Fahrräder gegeben sind. Gerade in der Innenstadt hat man aber Abstellanlagen für Fahrräder abgebaut mit der Begründung, dass diese bei Veranstaltungen ja ab- und anschließend wieder aufgebaut werden müssen.

Die Stadt möchte die Innenstadt beleben, aber auch hier geht es um Autofahrer und die sind der Stadt eventuell 1,8 Millionen wert! Das Parken für Autofahrer soll kostenlos werden, gleichzeitig müssen Radler`*innen einen Stellplatz für ihr Fahrrad suchen.

Man soll sich den Aufschrei der Autofahrenden vorstellen, wenn bei Veranstaltungen mal schnell Parkplätze gesperrt werden!

Fehlende Motivation und zu wenig Geld um den Radverkehr in Ingolstadt auszubauen?

Sicher positiv ist Asphaltierung des Donaudamms in den Südwesten zu werten und der Weg wird von Radfahrenden und auch Fußgänger*innen gern genutzt.

Viel mehr ist aber für Radler*innen in Ingolstadt während der Coronazeit nicht passiert. Auf Nachfrage bei der Stadt erhält man die Antwort: „Es liegt ja jetzt durch Lockdown und Corona eh alles flach.“ und „Der Ausbau der Radwegestruktur kostet Geld.“

Spielt Geld für den Ausbau der Autostraßen keine Rolle?

Der ADFC Ingolstadt unterstützt den Antrag der SPD zur Weiterentwicklung der Fahrradverkehrs

Obwohl es Beschlüsse der Stadt gibt wurde der Fahrradverkehr in Ingolstadt in den letzten Jahren nicht wirklich gestärkt. Um dies zu erreichen unterstützt der ADFC den Antrag der SPD in vollem Umfang und fordert eine eigene Stabsstelle Radverkehr bei der Stadt Ingolstadt die mit entsprechenden kompetenten Mitarbeitern und den notwenigen finanziellen Mitteln ausgestattet ist.

Alle detaillierten Ergebnisse des Bundesgebietes von 2005 bis 2020 finden sie hier https://fahrradklima-test.adfc.de/ergebnisse

Hier können sie die detailierten Ergebnisse für Ingolstadt herunterladen.

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